Neu in Lenzburg: praktische Hilfe in der SchreibBAR
Lenzburg Der Verein «Lesen und Schreiben für Erwachsene Aargau» startet die SchreibBAR in Lenzburg.

Jacqueline Gabi Pauli ist zuständig für die Administration und Organisation sämtlicher Angebote des Vereins. Zusammen mit der Bibliothekarin Barbara Hediger hat sie die SchreibBAR in der Stadtbibliothek Lenzburg realisiert. Der Startschuss fiel am 13. Februar – erschienen ist niemand. «Wahrscheinlich auch wegen der Fasnacht», sagt Gabi Pauli. Die Standortausweitung entstand auf Anfrage der Regionalen Integrationsfachstelle (RIF). Begonnen hat die SchreibBAR in Aarau, seither gibt es das Angebot auch in Brugg, Zofingen und Möhlin. Parallel startete die RIF in Lenzburg eine Zusammenarbeit mit dem Schreibdienst des Roten Kreuzes. Ob es beide Angebote braucht, ist derzeit offen. Der Verein bietet ausserdem Grund- und Aufbaukurse im Lesen und Schreiben sowie Einzellektionen an – allerdings nicht in Lenzburg. Die SchreibBAR versteht sich vielmehr als niederschwelliger Erstkontakt, mit dem Ziel, Personen mit Bedarf auf die Kurse aufmerksam zu machen.
Hemmungen überwinden – Hilfe annehmen
Die Hauptzielgruppe des Angebots sind Illettristen – Menschen, die zwar Buchstaben erkennen, jedoch keine komplexeren Texte verstehen oder verfassen können. In der Schweiz ist rund jede sechste erwachsene Person betroffen. Dennoch wird der Verein nicht überrannt. Im Gegenteil: Laut Gabi Pauli stossen ihre Angebote im Verhältnis zur Zahl der Betroffenen nur auf geringes Interesse. Man erreiche die betroffenen Menschen kaum. Die Hemmschwelle sei zu hoch, das Thema noch immer schambehaftet. Viele meldeten sich erst, wenn der Druck zu gross wird – etwa aus beruflichen Gründen. Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache stehen ebenfalls im Fokus. «Wir sind für alle Menschen im Aargau da», betont Gabi Pauli. Pro Abend ist jeweils eine Fachperson in der SchreibBAR im Einsatz – für sie sei der Einsatz spannend, da jeder Abend anders aussehe. Wie viele Menschen das Angebot in Lenzburg am Freitagabend künftig besuchen werden, wird sich zeigen.
Formulare, Tipps und ein offenes Ohr
Dass es die SchreibBAR auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz noch braucht, ist für Gabi Pauli selbstverständlich. Viele Betroffene haben Mühe mit der Anwendung eines Computers. Die Menschen kommen hauptsächlich, um Texte korrigieren zu lassen, Formulare auszufüllen oder Bewerbungen zu verfassen – oder einfach für einen Schwatz auf Deutsch. «Es ist erstaunlich, wie viel Zeit Betroffene für Aufgaben investieren müssen, die für andere selbstverständlich sind – und welche Strategien sie dafür entwickeln», so Gabi Pauli. Als zusätzlicher Gewinn beim Angehen eigener Probleme werde zudem das Selbstwertgefühl gestärkt.
Jacqueline Gabi Pauli richtet eine klare Botschaft an Betroffene: «Die SchreibBAR ist ein geschützter Ort, an dem man seine Hürden nicht öffentlich zur Schau stellt. Man soll einfach kommen, ohne Hemmungen.» Denn: «Wenn man Dinge anpackt, kann man im Leben nur gewinnen.»



