Kampf dem Aluminium: Startup auf Erfolgskurs

Seengen Ein Seetaler Startup erreichte am Swiss Digital Commerce Award in der Kategorie «Sustainability Feature» das Podest. Amanda und Urs Helfenstein produzieren und vertreiben ein Deo aus lebensmitteltauglichen Zutaten.

Urs und Amanda Helfenstein freuen sich über den dritten Platz.Foto: zvg
Urs und Amanda Helfenstein freuen sich über den dritten Platz.Foto: zvg

Seit sechs Monaten auf dem Markt und bereits Platz drei am Swiss Digital Commerce Award: Das ist das Seenger Startup «Lion7». In einer von 14 Kategorien erreichte das True-Pits-Deo den dritten Platz. Ausgezeichnet wurde das Produkt in der Kategorie «Sustainability Feature». Grosse Freude bei der jungen Familie: «Wir haben das natürlich gefeiert und sind stolz auf unseren Erfolg.»

Ressourcenschonung als Kern der Firma

Die Verpackung kommt vollständig ohne Kunststoff aus, alle Zutaten stammen aus biologischer Produktion. 30 Gramm Deo-dorant reichen für bis zu 100 Anwendungen. «Es war uns von Anfang an wichtig, Nachhaltigkeit nicht erst nachträglich zu optimieren, sondern sie vom ersten Arbeitsschritt an als Teil unserer Identität zu verstehen», sagt Urs Helfenstein. Auch beim Vertrieb setzt das Startup «Lion7» auf dieses Prinzip. Die wiederverwendbare und recycelbare Dose hat eine Höhe von knapp 20 Millimetern. Das bedeutet, das Produkt kann in einer eigens entwickelten Kissenschachtel im Briefformat zu den Kundinnen und Kunden verschickt werden. «Ohne Tinte, Klebstoffe oder Kunststoffe – die Beschriftung wird eingebrannt», erklärt er weiter. Das Produkt gibt es auf der Webseite des Unternehmens und in der Dorfapotheke.

Wenn aus der Küche das Labor wird

Das Produkt kommt aus der eigenen Küche. Dort hat alles seinen Ursprung. «Ich experimentierte für die Rezeptur am Herd», erklärt Urs Helfenstein. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Er ist Ingenieur und schaut auf 15 Jahre Erfahrung im Lebensmittel- und Pharmabereich zurück. Damit kennt er die notwendigen Vorgaben zur Herstellung eines sicheren Produkts. Und nichts spricht gegen die Produktion mit Küchenutensilien. Während er also mit Marmite und Waage ausgerüstet das Deo herstellt, regelt seine Frau das Büro mit Marketing. Und es funktioniert: «Wir haben uns diesen Schritt gut überlegt und sind stolz darauf», sagen die beiden. «Auch wenn die Küche manchmal zum Labor werden muss.» Das passiert aber selten. Der Chef erklärt: «Ich habe errechnet, dass eine frisch produzierte Charge einer Einzelperson auf 18 Jahre hinweg reichen würde.»

Backpulver statt Aluminium

Die Idee entstand aus einer Notlage des Firmengründers. Dabei ist er sehr offen. Bei ihm würde eine Dusche mit viel Seife nicht reichen. Viele marktübliche Deos verträgt sein Körper nicht. Überparfümiert sei es ihm unwohl und bei Aluminium schlagen seine Lymphknoten Alarm. Er versuchte daher den Salzstein. Bis er herausfand, dass dieser nicht aus Kochsalz, sondern aus Aluminium-Salzen besteht. Eine Hauslösung musste her. Nach einer langen Experimentierphase kristallisierten sich die Zutaten heraus: Sodium Bicarbonat – besser bekannt als Backpulver, Tapioka, Sheabutter, Avocadoöl und Kokosfett. Alles Bio. Durch die Dampfbehandlung des Kokosfetts wird dieses geruchsneutral gemacht und das Backpulver regelt den pH-Wert. Auf Wasserbeigabe kann gänzlich verzichtet werden. So verdirbt die feste Creme nicht. Nach dem Öffnen garantiert das Startup sechs Monate Haltbarkeit. Anfänglich nutzte er das Deo nur für sich selbst, verschenkte später einige Proben an sein Umfeld. Seine Bekannten beflügelten ihn dazu, das Produkt auch für den Handel herzustellen. Die positiven Rückmeldungen aus seinem Umfeld bestärkten Helfenstein schliesslich darin, das Produkt auf den Markt zu bringen. Sechs Monate später steht «Lion7» bereits auf dem Podest eines nationalen Branchenpreises.

 

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