«In der Schweiz gibt es noch viele Löcher im Käse»

Lenzburg Am 1. August werden grosse Reden geschwungen. Viele Ansprachen sind schnell vergessen − die Rede «Löcher im Käse» von Bezirksgerichtspräsident Daniel Aeschbach bleibt in Erinnerung.

Zum Philosophieren braucht es nur ein Stück Käse: Bezirksgerichtspräsident Daniel Aeschbach begeisterte mit seiner Rede. Foto: Romi Schmid
Zum Philosophieren braucht es nur ein Stück Käse: Bezirksgerichtspräsident Daniel Aeschbach begeisterte mit seiner Rede. Foto: Romi Schmid

Gemütlich zusammensitzen, etwas Gutes trinken und essen, eine beschwingte Rede geniessen und sich angeregt unterhalten: das gab es in Lenzburg am 1. August trotz garstigem Wetter. Rund 150 Besucher feierten den 732. Geburtstag der Schweiz trotz Regenwetter am Dienstagmorgen im altehrwürdigen Rittersaal auf dem Schloss.

Eingerahmt von den Klängen der Brass Band Imperial Lenzburg verfolgte das Publikum den ökumenischen Gottesdienst und lauschte im Anschluss gespannt dem Grusswort von Stadtammann Daniel Mosimann und der Ansprache von Festredner Daniel Aeschbach, Bezirksgerichtspräsident Lenzburg.

Mal mild, mal rezent

In seiner unkonventionellen und charmanten Ansprache sprach Aeschbach über «Löcher im Käse». «Warum zahlen wir Schweizer gutes Geld für Löcher? Warum essen wir Löcher? Kann man ein Loch überhaupt essen? Ein Loch alleine nicht. Aber mit dem Drumherum gehts», sinnierte er. Den Käse nutze Aeschbach als Metapher für die Schweiz, die ebenfalls eine ureigene Unvollkommenheit aufweist. «Vollkommen sind wir bei weitem nicht», so der Bezirksgerichtspräsident . «Mir geht es in der Schweiz so gut, dass ich ab und zu einen Schwangerschaftstest mache, um wieder einmal etwas Negatives zu erleben», witzelte er und leitete zum Kernthema seiner Rede über: die Schweiz und ihre einzigartige Sprache. Wie beim Emmentaler Käse könne die Sprache mal mild oder rezent, mal hart oder weich, mal surchoix oder premier cru sein. Aeschbach philosophierte über Schimpfwörter, Dialekte und elementare Mundart-Begriffe, die besonders die junge Generation kaum mehr kennt − etwa «Gsüchti, Embi und Hüenliwey». «Kehren Sie wieder einmal in sich, sinnen sie nach speziellen Mundart-Begriffen und sorgen Sie dafür, dass diese wieder unter die Leute kommen», forderte Aeschbach das Publikum auf und schloss tiefsinnig: «Es Loch em Chääs esch ned nüüt −s esch ebe es Loch! Zum Glücklichsein braucht es nur und einzig ein Stück Emmentaler Käse – und das kann sich jeder leisten.»

Im Anschluss an den offiziellen Teil warteten erfrischende Getränke und feine Grilladen auf die Feiernden, die trotz Regenwetter das schöne Fest bei bester Stimmung ausklingen liessen.

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