Salzkorn: Ich habe kein Hobby. Na und?

Romi Schmid
Romi Schmid

Neulich hat mich jemand gefragt, welche Hobbies ich habe. Ich wollte etwas sagen, mir lag etwas auf der Zunge, ich dachte nach, es fiel mir nichts ein. Nach einigen Minuten stammelte ich dann irgendwas von Lesen und Schreiben. Es hörte sich komisch an. Und mein Gegenüber hatte so einen Ausdruck in den Augen, der sagte: Oh, das ist jetzt ein bisschen arm.

Ehrlicherweise bin ich froh, wenn ich es am Abend schaffe, mich abzuschminken. Ich empfinde es als Zeit für mich, wenn ich allein im Supermarkt einkaufe und mir Zeit lassen kann beim Aussuchen eines Waschmittels. Allein, ohne Kinder, die in alle Richtungen ausschwärmen und 384 sinnlose Dinge anschleppen. Vielleicht könnte ich auch sagen, mein Hobby ist Fernsehen am Abend, wenn die Kinder schlafen. Oder ganz allein ohne Kinderbegleitung zu duschen. Ich könnte auch damit angeben, dass ich laufen gehe. So circa einmal im Jahr. Oder ich könnte meine verstaubte Yoga-Pilates-komische-Übungen-die-Muskelkater-machen-DVD direkt vor den Fernseher legen, damit Gäste darauf aufmerksam werden, wie konsequent ich mein Fitnessprogramm verfolge. Mein Hobby könnte auch das Blumengiessen im Garten sein. Oder Gassigehen mit unserer Hündin, die mir neulich dabei den Finger gebrochen hat. Meine Hobbys sind also Putzen, Werkeln, Tun, Machen, Kochen, Suchen und Sachen reparieren. Und ich gehe alle paar Jahre mal ins Kino. Ist das ein Hobby? Wahrscheinlich nicht.

Ja, es stimmt also. Ich tue zu Hause nichts, ausgenommen die vielen Dinge, die Mütter und auch Väter einfach tun, weil sie getan werden müssen. Und Marmelade-Einkochen und Motivtorten für Geburtstage backen. Irgendwann werde ich wieder ein Hobby haben. Ein ganz richtiges, echtes Hobby. Und dann werde ich glücklich sein damit. Aber jetzt, jetzt bin ich es auch so – ganz ohne Hobby.

 

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