Die Kunst des Gebens

Christine von Arx

Wenn die Welt nach Profit und Effizienz strebt, ist die Freiwilligenarbeit das erfrischende Gegengewicht. Sie erinnert daran, dass Gemeinschaft und Solidarität nicht an der Kasse abgewickelt werden. Ohne ehrenamtliche Einsätze würde vieles überhaupt nicht funktionieren. In der Schweiz engagieren sich beeindruckende 3 Millionen Menschen regelmässig freiwillig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Für wohltätige Vereine und Stiftungen sind die Zeiten allerdings vorbei, in denen ihre Arbeit vorbehaltlos anerkannt wurde. Der Staat, die Politik, Medien und die Bevölkerung fragen nach Hintergründen, Motiven und Relevanz ihrer Arbeit. Die Ansprüche sind gestiegen. Die Organisationen werden als wichtiger Teil der Zivilgesellschaft anerkannt – und an ihrem Beitrag dazu gemessen. Damit sie also gesellschaftlich gewollt sind, muss ihr Wirken sichtbar, zugänglich und nachvollziehbar sein.

In der Privatwirtschaft, in der Welt der Firmen und Grosskonzerne, heisst das Stichwort Corporate Social Responsibility – der freiwillige Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Dafür braucht es zwei Gruppen: die einen, die ins Corporate Shirt gekleidet Müll einsammeln oder Bäume pflanzen, und die anderen, die diese Momente auf den sozialen Medien posten. Der gute Zweck will gut in Szene gesetzt sein. Ob am Ende der tropische Regenwald oder die lokale Blumenwiese – auf den Plakaten sieht beides super aus. Ist das echtes Engagement oder reine Imagepflege? Wenn am Ende die Blumenwiese wächst und der Müll verschwindet, ist dann nicht allen geholfen?

Tue Gutes und lasse am besten andere darüber reden: Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, die Freiwilligenorganisationen der Region Lenzburg am kommenden Adventsmarkt im Müllerhaus kennen zu lernen und sich von ihrem Feuer für die Sache in Stimmung versetzen zu lassen.

Christine von Arx, Historikerin

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