Das Kandelgelaber beginnt

Es ist so weit: Wahlen. Ich habe bisher in vier Aargauer Bezirken gewohnt und finde Lenzburg, und das ist meine subjektive Einschätzung, eher von pragmatischen Politikerinnen und Politikern beseelt. Da darf man durchaus aufatmen. Weder ist die Stadt über- noch sind die ländlichen Gebiete unterrepräsentiert. Wie der Bezirk aufgebaut ist, spiegelt sich im Kantonsparlament wider.

Der Wahlkampf beginnt und es werden Plakate aufgehängt, die unseren sonst so tristen Kandelabern Gesichter geben. Auch die Sprüche fallen auf. Das, wie ich es nenne, «Kandelgelaber». Da sieht man momentan Kassenschlager wie «Für Gleichstellung» oder «Für starke Bildung». Auch findet man in Lenzburg den Slogan «Damit sich Leistung wieder lohnt». Andere Plakate sind wortkarger mit lediglich den Namen und Vornamen der Kandidierenden und der Regierungsratsempfehlung. Somit ist für alle etwas dabei. Comme tu veux.

Natürlich liest man auch bereits auf Social Media, in Leserbriefen und auch in Kommentargefässen diverser Heftli und Zeitungen Meinungen verschiedener Menschen über Politik und Kandidaten. Vor allem über den Wahrheitsgehalt der Wahlsprüche darf spekuliert und auch gelacht werden. Je unspezifischer diese Sprüche sind, desto weniger kann die Partei oder der Kandidat daran gemessen werden. «Für mehr Vielfalt.» Wow. Man könnte auch schreiben: «Esst euer Gemüse.»

Ich möchte aber angemerkt haben, dass ich persönlich trotz Kritik mit Augenzwinkern wirklich froh darüber bin, dass es Menschen gibt, die sich aktiv in der Politik einbringen oder einbringen möchten. Denn ich will es nicht machen müssen. Unser System ist auf Leistungserbringern aufgebaut und jeder sieht sein Leistungsgebiet in einem anderen Bereich. Als Journalist ist man gerne einmal vorlaut. Dafür kann man auch mal aufs Dach bekommen. Und das soll auch so sein. Aber als Wähler, Wahl-Aargauer und Mensch bin ich wirklich dankbar für jede Person, die gewillt ist, mehr zu tun. Ob im Militär, in der Feuerwehr, in Vereinen oder eben der Politik.

Rinaldo Feusi, Redaktionsleiter

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