Das erste kircheneigene Piaggio im Aargau

Othmarsingen Es gibt die «Heilige Nacht», die «Heiligen drei Könige» und im Volksmund auch gerne den «Heiligen Bimbam». Neu im Sortiment: die «Heilige Bohne». Was das ist und wie es dazu kam, berichten Sozialdiakonin Karin Rätzer und Vikarin Marie-Madeleine Minder.

Die «Heilige Bohne» mit den Initiantinnen Vikarin Marie-Madeleine Minder und Sozialdiakonin Karin Rätzer.Foto: Rinaldo Feusi
Die «Heilige Bohne» mit den Initiantinnen Vikarin Marie-Madeleine Minder und Sozialdiakonin Karin Rätzer.Foto: Rinaldo Feusi

Bevor man sie sieht, hört man sie. Und wenn man sie sieht, riecht man sie. Der Geruch: frisch aufgebrühter Kaffee. Die «Heilige Bohne». Die Piaggio-Ape aus Italien ist Teil eines innovativen Projekts der Reformierten Kirchgemeinde Lenzburg, Hendschiken und Othmarsingen – mit Modellcharakter für den ganzen Kanton. Das Fahrzeug wurde aufbereitet und vom Transporter zur mobilen Kaffeebar umgenutzt. Das Prinzip ist simpel: Anstatt zu warten, bis die Menschen in die Kirche kommen, fährt die Kirche mit der «Heiligen Bohne» zu ihnen. So soll aus dem binnenkirchlichen Denken ausgebrochen werden. Den Initiantinnen – Sozialdiakonin Karin Rätzer und Vikarin Marie-Madeleine Minder – ist wichtig: «Wir sind nicht unterwegs, um Menschen vom Glauben zu überzeugen. Es geht uns schlichtweg darum, zuzuhören und zu fragen, wie es ihnen geht.»

Die «Bohne» ist vielseitig einsetzbar. Sie wird beispielsweise in Quartieren unterwegs sein, an Volksfesten und anderen öffentlichen Anlässen präsent sein. «Wir bleiben bewusst offen für weitere Einsatzmöglichkeiten. Denkbar ist etwa auch, sie bei Taufen ausserhalb der Kirchenmauern einzubeziehen», merkt Marie-Madeleine Minder an. «Das Vehikel zieht bereits jetzt Blicke auf sich und erfreut ältere Menschen gleich wie die jüngeren», sagt Karin Rätzer. Während einer dreijährigen Testphase wird nun eruiert, ob sich das Projekt etabliert. Denn: Es ist im Kanton einzigartig und es gibt noch keine Erfahrungswerte auf diesem Gebiet.

So kommt die «Bohne» nach Othmarsingen

Günstig war das mechanisierte Tuk-Tuk nicht. Die «Heilige Bohne» kostete 30000 Franken und wurde von Marie-Madeleine Minder auf Ricardo.ch gefunden. Man stellte ein Gesuch für die finanzielle Unterstützung aus dem Innovationsfonds der reformierten Kirche Aargau. Dieser trug rund die Hälfte der anfallenden Kosten; die verbleibenden Mittel wurden durch die Kirchgemeinde selbst sowie durch Spenden aufgebracht.

Ebenfalls involviert ist der Othmarsinger Sigrist Erich Geissbühler. Dieser ist gelernter Automechaniker, ehemaliger Töfflibueb und auch bekennender Liebhaber historischer Vehikel. «Dieses Fahrzeug ist ein absoluter Glückstreffer und befindet sich in tadellosem Zustand», berichtet er stolz. Und er weist auf die Geschichte des Piaggio hin: «Dieser Typ wird heute gar nicht mehr gebaut. Vorbesitzer des Piaggio waren zwei Ärzte, die aus dem Gefährt in ihrer Freizeit Eiswein ausschenkten. Und Vorvorbesitzer war ein Priester in Italien.» Nun schliesst sich der Kreis und die «Heilige Bohne» befindet sich wieder in geistlicher Obhut.

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