Abseits

Salzkorn

Fritz Thut
Fritz Thut

Nun tschutten sie also wieder. Seit einer Woche läuft ennet dem grossen Teich die 23. Fussball-Weltmeisterschaftsendrunde, offiziell «Fifa World Cup» geheissen. Scheinbar versammelt sich die gesamte Menschheit vor Bildschirmen, um die total 104 Spiele zu verfolgen. Zweimal elf Männer, die einem Ball hinterherjagen, als modernes Lagerfeuer der Erde.
      Die Befürchtung, dass der sportliche Gehalt des Anlasses mit der monetär bedingten Aufplusterung auf 48 teilnehmende Nationalteams auf das Niveau eines globalen Grümpelturniers tauchen könnte, hat sich bisher nicht bestätigt.
     In jenen 48 Ländern, deren Vertretungen den Sprung an die Endrunde geschafft haben, dominiert aktuell, also bis zum Ausscheiden, der Tunnelblick. Die Medien berichten in erster Linie über ihre eigene Nationalelf und deren Umfeld. Hat der Zeugwart im Vorbereitungscamp eine Erkältung eingefangen? Zwickts den dritten Torwart in der Wade?
Ansonsten treibt der Chauvinismus vor den Fernsehgeräten, wie bei allen Meisterschaften, fröhliche Urständ. Irgendwann wurde es dem ehemaligen Sportredaktor zu viel und ich boykottiere die Partien der Schweiz weitgehend und erfahre von der 1:1-Startniederlage gegen Katar erst mit Verzögerung.
     Ich verlagerte meine Sympathien in unser südliches Nachbarland. Nun, Italien fiel sogar durchs aufgestockte 48er-Raster und steht in Amerika im Abseits. Spott hatten nicht nur die Spieler und Verantwortlichen der italienischen Squadra auszuhalten, sondern auch ich in meinem persönlichen Umfeld. Nun, «wir» sind nicht dabei. Also bin ich neutral und verpasse heute Donnerstag die zweite Partie der Schweiz gegen Italien-Bezwinger Bosnien und Herzegowina. Ich freue mich stattdessen auf ein Bankett mit mittelalterlicher Musik im Hof von Schloss Hallwyl.


Fritz Thut,
ehemaliger Redaktionsleiter

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