Meisterhafte Klanggewalt: «Messa da Requiem»

Kultur Der Leiter und Dirigent Beat Wälti hatte die Aufführungen der dramatischen «Messa da Requiem» von Giuseppe Verdi im Interview angekündigt: «So eine Grossformation erlebt man im Aargau selten.»

Der Chor präsentierte eine einmalige Leistung. Foto: zvg
Der Chor präsentierte eine einmalige Leistung. Foto: zvg

Das geistliche Werk zählt zu den dramatischsten Kompositionen der Musikgeschichte. Verdi vertont darin die existenziellen Fragen von Schuld, Gericht und Erlösung. Vom erschütternden «Dies irae» – den «Tagen des Zorns» – über die apokalyptischen Bilder des Jüngsten Gerichts («Coeli movendi sunt et terra») bis zum zutiefst persönlichen Flehen um Rettung vor dem ewigen Tod im «Libera me» spannt sich ein musikalischer Bogen voller Intensität und Pathos.

Die monatelange Probenarbeit und äusserst sorgfältige Vorbereitung zahlte sich aus: Wälti gelang es, über 200 Aufführende, bestehend aus den Chören der Kantonsschule Wohlen und des Musikvereins Lenzburg, dem Orchester des Musikvereins, unterstützt von professionellen Zuzügern, und einem hervorragenden Vokalsolistenquartett, mit Präzision und musikalischer Feinfühligkeit zusammenzuführen. Wälti gelang es, diese komplexe Struktur mit dem kraftvollen orchestralen Gegenpart zu einer eindrucksvollen Einheit zu formen.

Das Orchester des Musikvereins Lenzburg überzeugte mit differenziertem Spiel. Lyrische Solo-Passagen der Streicher wurden mit grosser Sorgfalt gestaltet, während die Bläser markante Farbakzente setzten. Die Trompeten sorgten mit ihren prägnanten Einsätzen für strahlende Höhepunkte, während die Pauken der Musik jene dramatische Wucht verliehen, die gerade im «Dies irae» für Gänsehaut sorgt.

Glänzendes Solistenquartett

Die vier Gesangssolisten prägten die Aufführung entscheidend. Die Sopranistin Jardena Flückiger überzeugte mit klarer Höhe und leuchtender Klangfarbe. Die Mezzosopranistin Susanne Gritschneder verlieh ihren Partien Wärme und Ausdruckskraft. Ihr dunkler, tragfähiger Ton sorgte für berührende Tiefe.

Mit strahlender Stimme meisterte der Tenor Aurelio Gmünder seine anspruchsvollen Arien. Seine Interpretation verband Bel-Canto-Eleganz mit dramatischem Ausdruck. Den klanglichen Grundpfeiler bildete der Bass Michael Hauenstein. Mit sonorer Tiefe und klarer Artikulation verlieh er den gewichtigen Passagen des Werkes Würde und Autorität. Gemeinsam gestaltete das Quartett die reich verzierten Bel-Canto-Linien Verdis mit grosser musikalischer Souveränität und Ausdruckskraft.

Begeistertes Publikum

In beiden Aufführungen, in Möriken-Wildegg und in Wohlen, entstand ein eindrucksvolles Klangerlebnis, welches Publikum und Ausführende gleichermassen begeisterte. Der lang anhaltende Applaus am Ende beider Konzerte war Ausdruck der Anerkennung für ein musikalisches Gemeinschaftsprojekt, das in dieser Dimension im Aargau tatsächlich nur selten zu erleben ist. (Kathrin Messerli/rfb)

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