Lenzburg persönlich: «Dann hätte ich keine Kundschaft»
Müllerhaus Zum 30. Mal fand am Sonntagvormittag, 20. September, das Format «Lenzburg persönlich» im Müllerhaus statt. Seit 15 Jahren berichten zweimal im Jahr Menschen aus der Stadt über ihr Leben – was sie sind, was sie machen und was sie nicht machen.

In seiner Begrüssungsansprache schaute Alexander Krebs, Präsident des Stiftungsrats Müllerhaus, zurück auf die Anfangszeiten von «Lenzburg persönlich». Der erste Anlass fand am 10. April 2011 statt, und schon damals hiess der Moderator Peter Buri, damals noch Regierungsratssprecher des Kantons Aargau. Am Sonntag sass er zum 14. Mal am runden Tisch und hatte einen langen Bogen mit Fragen vor sich, die er den zwei Interviewpartnern Carmen Zobrist und Tobias Widmer stellte.
Unkompliziert, unterhaltend und spannend
Krebs beschrieb den Anlass ausführlich: «30 Ausgaben ohne Formatwechsel, am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, und es funktioniert. Es sind Menschen von Lenzburg, Nachbarinnen und Nachbarn, denen man sicher in der Stadt oder sogar in der Rathausgasse begegnet. Eine Stunde wird zugehört ohne Widerrede, es gibt keine Podiumspolitik wie in der ‹Arena›. Was dabei herauskommt, kann man nicht planen.» Sein Dank galt deshalb vor allem den vielen Moderatoren, dem Team Müllerhaus für die stets gute Organisation und allen Sponsoren und Gönnern für ihre Unterstützung. «Der grösste Dank geht aber an Sie, die Anwesenden, Sie sind der Grund, warum dieses Format nach wie vor stattfindet», sagte er weiter, «‹Lenzburg persönlich› ist ein Stück Stadtleben – man kommt, hört zu und trifft sich beim Apéro mit Leuten, die man vorher nicht kannte.» In einer Umfrage stellte er fest, dass doch einige Stammgäste mehr als 25 Mal anwesend waren. Zum Schluss zeigte sich Krebs überzeugt, dass dieses Forum weitergeführt und in zehn Jahren der 50. Geburtstag gefeiert werden kann.
Peter Buri eröffnete die Gesprächsrunde mit den beiden Interviewgästen wie immer mit einem kleinen Ratespiel für das Publikum mit der Frage: «Mein Lieblingsplatz in Lenzburg?» Die erste Antwort lautete: «Mein Geschäft mit Garten.» Die zweite Antwort lautete: «Bänkli auf dem Gofi mit Blick nach Norden auf die Berufsschule.» Danach stellte er die beiden näher vor, und das Publikum konnte die zwei Fragen klar beantworten.
Carmen Zobrist führt seit 20 Jahren einen Coiffeursalon an der Burghaldenstrasse 16 in Lenzburg, wohnt aber in Seengen – leider, wie Buri noch anfügte. In ihrer Freizeit kocht Zobrist gern, sie liebt ihre Katzen, aber die ganz grosse Leidenschaft gehört den Pferden. Sie ist seit acht Jahren Beduinen-Zugführerin und Oberbefehlshaberin des Freischaren-Pferdewesens.
Tobias Widmer ist seit 2019 Rektor an der Berufsschule Lenzburg (BSL), Vater von zwei Kindern und (auch leider) aufgewachsen und wohnhaft in Suhr. Bevor er Rektor wurde, war er Sportlehrer und Lehrer für Allgemeinwissensfächer an der BSL. Als Handballgoalie beim TV Suhr betrieb er Spitzensport auf höchstem Niveau und war in den Jahren 1999 und 2000 Schweizer Meister mit dem Team.
Das zentrale und ausschlaggebende Thema für den sonntäglichen Anlass war der Bereich Berufs- und Bildungswesen. Carmen Zobrist absolvierte eine Berufslehre und hat nach diversen Aus- und Weiterbildungen die Meisterprüfung abgelegt. Tobias Widmer begleitet als Rektor der BSL 200 Mitarbeitende, etwa 2200 Lernende in 24 Ausbildungsberufen, 1350 Lernende in der Erwachsenenbildung und 200 Berufsmaturanden. Für beide ist ihr Beruf beziehungsweise die Berufsbildung kurz gesagt: Berufung. In seiner Einstiegsfrage stellte Buri Tobias Widmer die Frage, was wäre, wenn er als Carmen Zobrist aufwachen würde? Die Antwort von Widmer kam prompt: «Der Salon wäre leer, ich hätte gar keine Kunden, und es wäre der einzige Coiffeursalon ohne Spiegel, damit meine Kundschaft nicht sieht, was ich falsch mache.»
Buri stellte eine Stunde lang Fragen zur Jugendzeit, zu Kindheitserinnerungen, zum familiären Umfeld oder zu kleineren und grösseren Abenteuern. Fragen zur Ausbildung und über ihren beruflichen Werdegang wurden humorvoll und ausführlich erläutert, sodass die Stimmung locker blieb und viele Fragen immer wieder mit Applaus verdankt wurden. Über das heutige Berufsleben und die allgemeine Situation im Berufsleben wurde diskutiert, ebenso über die Generationen XYZ und das Thema KI im Coiffeurberuf oder an der Berufsschule.
Mit etwas Verspätung durfte dann Buri eine erfolgreiche, unkomplizierte, spannende und unterhaltende Gesprächsstunde abschliessen, für die beiden Interviewgäste gab es ein Präsent, und für alle ging es dann nach draussen in den schönen Innenhof mit dem grossen Brunnen zu einem feinen Apéro – seit dem ersten Anlass offeriert von der Weinhandlung Ladivina in Niederlenz, der Peter Buri schon anfangs ganz speziell dankte.



