«Eine Grossformation wie diese erlebt man im Aargau selten»
Kultur Der Musikverein Lenzburg und der Chor der Kantonsschule Wohlen vereinen am 7. und 8. März 170 Gesangstalente für Verdis monumentales Requiem. Dirigent Beat Wälti gewährt einen Einblick in das musikalische Grossprojekt.

Für den Dirigenten ist es ein Herzensprojekt: Giuseppe Verdis Requiem zählt seit Langem zu seinen Lieblingswerken. Doch alleine konnte der Musikverein Lenzburg dieses Grossprojekt nicht verwirklichen – weder personell noch finanziell. Gemeinsam mit rund 100 Sängerinnen und Sängern des Kantichors Wohlen – den Beat Wälti ebenfalls dirigiert – entstand ein «pfundiger» Chor von 170 Personen.
«Die Jungen waren sofort begeistert»
Zunächst zweifelte Wälti, ob die Totenmesse die richtige Wahl sei. Doch nach intensiver Auseinandersetzung mit Verdis Musik erkannte er, dass deren dramatische Gefühlsregungen das Werk für junge Menschen besonders nachvollziehbar machen. Die jungen Sängerinnen und Sänger des Kanti-Chors waren sofort begeistert. Die starke Besetzung und das ausgewogene Geschlechterverhältnis des aktuellen Jahrgangs ermöglichten die zeitliche Umsetzung eines der gewaltigsten Werke der Chorliteratur.
Von Einzelproben und gemeinsamen Herausforderungen
Die Proben fanden getrennt statt: Chor und Orchester des Musikvereins Lenzburg sowie der Kantichor übten zunächst alleine. Erst im Januar trafen die beiden Chöre einmalig aufeinander – ein Moment, der den Dirigenten freute. In der kommenden Konzertwoche finden drei grosse Proben statt, in denen beide Chöre und das Orchester erstmals zusammen üben. Während der neunmonatigen Probenarbeit stellten sich die Chöre verschiedenen Herausforderungen. Gleichzeitig gab es Passagen, die sofort zündeten, sodass die Proben nie demotivierend wirkten. Wälti nennt drei Bereiche, die gesangstechnisch anspruchsvoll sind: rhythmisches Zusammenspiel, harmonisches Hören und A-cappella-Passagen. Für den Dirigenten erfordern die Solopassagen besondere Aufmerksamkeit, da einzelne Stellen spontan interpretiert werden dürfen und er entsprechend koordinieren muss. «Flexibilität ist in der Schlussphase immer nötig», betont er. Das Solistenquartett, bestehend aus Jardena Flückiger, Susanne Gritschneder, Nino Aurelio Gmünder und Michael Hauenstein, lernte Wälti über verschiedene Kontakte kennen – und alle sagten begeistert zu. Auch die Chorsänger und Chorsängerinnen zeigen Enthusiasmus und Stolz, bei diesem einmaligen Projekt dabei zu sein. «Jetzt spürt man das grosse Ganze – das ist ein schöner Moment», so der Dirigent.
Zwölf Jahre später: Ein lang erwartetes Projekt
Bereits vor zwölf Jahren verwirklichte Wälti ein Requiem mit den beiden Chören, das sehr gut aufgenommen wurde. «Damals war klar, dass so etwas wiederholt wird», sagt er. Für ihn ist diese Zusammenarbeit ein emotionaler Höhepunkt. Unterstützung bei den Proben erhielt er von langjährigen Vertrauten – seinen «rechten Händen». Ohne diese Hilfe wäre das Projekt deutlich langsamer vorangekommen.
Der Vorverkauf läuft über das Kantiforum. Beide Aufführungen – im Gemeindesaal Möriken und in der katholischen Kirche Wohlen – sind bereits stark gebucht. Mit dem Musikverein Lenzburg werden rund 500 Besuchende erwartet, mit dem Chor der Kanti Wohlen etwa 400. Das Zusammenspiel der Formationen ergebe eine grosse Zuhörerschaft, die durch Verdis Werk besonders angezogen werde. Beat Wälti wünscht sich, dass das Publikum die selige Botschaft des Werkes mitnimmt und die Schönheit der Musik aufsaugt: «Eine solche Grossformation erlebt man im Aargau selten.»
Konzert im Gemeindesaal Möriken: 7. März, ab 19.30 Uhr. Konzert in der kath. Kirche Wohlen, am 8. März, ab 16.30 Uhr.



