Ein Drittel der Vorschulkinder hat ungenügende Deutschkenntnisse

Bildung Die Stadt erhob Daten zum sprachlichen Förderbedarf bei Kindern, die im nächsten Jahr in den Kindergarten eintreten werden. Rund ein Drittel weist unzureichende Deutschkenntnisse auf.

Kathrin Wohlgemuth ist über die Anzahl der Fälle nicht überrascht. Foto: Fabio Baranzini

Kathrin Wohlgemuth ist über die Anzahl der Fälle nicht überrascht. Foto: Fabio Baranzini

Um im späteren Deutschunterricht an der Volksschule mitzukommen, empfiehlt die Stadt den Eltern, ihr Kind in Kitas und Spielgruppen abzugeben.Foto: rsc

Um im späteren Deutschunterricht an der Volksschule mitzukommen, empfiehlt die Stadt den Eltern, ihr Kind in Kitas und Spielgruppen abzugeben.Foto: rsc

Ein Drittel der Lenzburger Kinder im Vorschulalter weist sprachliche Mängel auf. Das ergab die erste Erhebung der Stadt zum frühsprachlichen Förderbedarf. Für die Leiterin der Fachstelle Gesellschaft Kathrin Wohlgemuth sei diese Zahl zu erwarten gewesen. «Das kam nicht überraschend und passt zu Erfahrungen der Schule bei Kindergarteneintritt.» Die Stadt fragte für die Erhebung 115 Familien an, 99 reagierten und nahmen teil.

Erhebung wird obligatorisch im Aargau

Die Erhebung wird mit dem Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes im August für alle Aargauer Gemeinden obligatorisch. Die Teilnahme der Familien war in diesem Jahr noch freiwillig. Ab diesem Sommer ändert sich das. Die Teilnahme wird verpflichtend. «Wie wir dies konkret umsetzen werden, ist noch nicht abschliessend geklärt. Mit der freiwilligen Durchführung dieses Jahr sammelten wir wertvolle Erfahrungen, aus denen wir für die nächsten Jahre lernen», erklärt Kathrin Wohlgemuth. Sie berichtet, dass der Test bei den Eltern aber wohl gut angekommen sei. Auch bei den Familien, wo Förderbedarf nötig sei, stosse man auf offenes Gehör. «Wir haben keinen einzigen Fall erlebt, wo Eltern ablehnend reagiert haben», freut sie sich. Den Eltern wurde von der Stadt empfohlen, ihre Kinder in Kitas oder Spielgruppen zu senden, um Deutsch zu sprechen und dort zu lernen, sich besser in ein soziales Gefüge zu integrieren. Die Stadt unterstützt das. In Lenzburg haben alle Familien Anspruch darauf, ihr Kind sechs Monate lang einen halben Tag pro Woche gratis in die Spielgruppe zu schicken. Wenn sprachliche Integration notwendig ist, subventioniert die Stadt abhängig vom Einkommen der Eltern weitere Betreuung in Spielgruppen oder Kitas.

Stadtrat muss Konzept erarbeiten

Vom neuen Schulgesetz sollen die Gemeinden vom Kanton besser unterstützt werden. Um die Unterstützungsleistungen geltend zu machen, wurden Voraussetzungen definiert. Eines davon ist, dass die Förderbeiträge auf einem kommunalen Konzept zur frühen Sprachförderung basieren. Ein solches kommunales Konzept fehlt bislang in Lenzburg. Die Unterstützung der sprachlichen Integration ist im Elternbeitragsreglement geregelt. Eine Motion von Eric Scherrer (SVP) mit Unterstützung seiner Partei, FDP, Mitte und EVP zur Ausarbeitung eines nachhaltigen Konzeptes zur frühkindlichen Förderung vom November 2025 wurde an der Einwohnerratssitzung vom 12. März als Postulat an den Stadtrat überwiesen. Autor Eric Scherrer ergänzt auf Anfrage: «Ebenso ist es wichtig, dass es ausreichende und aufeinander abgestimmte Förderangebote in Lenzburg gibt.» Und meint: «Träger einer solchen Förderung sind keine städtischen Organisationen, sondern Vereine und Institutionen, die wiederum auch auf eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Lenzburg angewiesen sind.» Die Erarbeitung des Konzepts ist damit Gegenstand des Stadtrates.

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