Mit Herzblut selbstständig: Wie Jasmin Volger ihren «Traumfänger» erschuf
Sarmenstorf Manchmal beginnt ein Traum ganz leise: mit einer Idee, einem Gefühl und der Frage «Was wäre, wenn?». Jasmin Volger stellte sich diese Frage und wagte den Schritt. Heute führt sie ihren eigenen Laden, den «Traumfänger», und weiss: Selbstständigkeit ist nicht immer einfach.

Wer den «Traumfänger» an der Hauptstrasse in Sarmenstorf betritt, spürt es sofort: Hier geht es nicht nur um Dekoration und Geschenke, sondern um Atmosphäre, Gefühl und Begegnung. Jasmin Volger empfängt ihre Kundinnen und Kunden mit einem herzlichen Lächeln. Sie hört zu, berät, ist ganz da. Trockenblumen in sanften Naturtönen, rustikales Altholz mit Geschichte, Produkte aus der Region: Alles ist mit viel Liebe ausgewählt. Der Laden wirkt wie eine kleine Wohlfühloase. Der Weg dahin allerdings war nicht immer leicht.
Der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten
Die 36-jährige Jasmin Volger aus Hägglingen wusste am Ende ihrer Schulzeit vor allem eines: Ihr Beruf sollte mit Menschen zu tun haben. Sie entschied sich für die Lehre als Pharmaassistentin. «Ich bin ein sehr fürsorglicher und hilfsbereiter Mensch, und diese Eigenschaften konnte ich in diesem Beruf ausleben», sagt sie.
Doch nach einigen Jahren spürte sie, dass da noch mehr sein musste. Sie wollte sich weiterentwickeln, neu orientieren: weiterhin mit Menschen, aber in einem neuen Themenbereich. Vor neun Jahren absolvierte sie eine Ausbildung zur Hochzeitsplanerin und entdeckte die dekorative Welt neu.
Die Freude an schönen Dingen wuchs und wurde zur Vision: «Meine Begeisterung und Leidenschaft zu teilen, andere zu inspirieren und sie in eine völlig andere Welt eintauchen zu lassen.»
Der Moment, als alles begann
Die Idee eines eigenen Ladens entstand Stück für Stück. Und dann kam dieser eine Moment: ein freier Raum in Sarmenstorf, direkt an der Hauptstrasse. «Als ich in diesem Laden stand, schossen mir sofort tausend Ideen durch den Kopf», erzählt Volger. Für sie war klar: Das ist der richtige Ort. Das Feuer war entfacht.
Mit dem «Traumfänger» wollte Volger mehr als nur einen Laden eröffnen. Sie wollte einen Ort schaffen, an dem sich Kundinnen und Kunden rundum wohlfühlen und gerne verweilen. Einen Ort mit heimeliger Atmosphäre und wunderschönen Begegnungen. Einen Laden, in dem unter anderem regionale Produkte, Handgemachtes und Naturmaterialien ihren Platz finden und Wärme, Ruhe sowie Natürlichkeit ausstrahlen.
Lernen, wachsen, anpassen
Fünf Jahre «Traumfänger» bedeuten auch fünf Jahre Selbstständigkeit. Mit allen Facetten. Volger eröffnete ihren Laden mitten in der Coronazeit. Die Deko-Branche konnte in dieser Zeit profitieren, denn: «Viele Menschen wollten ihr Zuhause verschönern», sagt sie. Schon nach rund einem Jahr bot sich die Möglichkeit, den Laden zu vergrössern. Eine grosse Investition, die sich lohnte: Das Sortiment wuchs, und Volgers Erfahrung ebenso.
Mit der Zeit veränderte sich das Kaufverhalten. «Die Menschen legen inzwischen mehr Wert auf Geschenke als auf Dekoration für ihr Zuhause», erzählt Volger. Deshalb wurde das Sortiment nach und nach angepasst. Heute gibt es neben Dekorationsartikeln zunehmend auch Geschenksets, Naturseifen, kulinarische Spezialitäten, zusammengestellte Präsente und vieles mehr. Besonders am Herzen liegen ihr Produkte mit Geschichte: regionale Erzeugnisse, Selbstgemachtes und liebevoll gefertigte Stücke.
Die HerausforderungSelbstständigkeit
«Nach fünf Jahren darf ich sagen: Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, meinen eigenen Laden zu führen», sagt Volger. Gleichzeitig bringt die Selbstständigkeit viel Verantwortung mit sich: Planung, Administration, Abschlüsse. Aufgaben, die oft im Hintergrund bleiben. «Ich war zuvor immer Angestellte. Vieles war Neuland für mich», erzählt sie. Versicherungen, SVA, rechtliche Grundlagen: All das musste sie neu lernen. «Manchmal, sogar sehr oft, habe ich an mir gezweifelt.»
Doch Volger ist daran gewachsen. Unterstützung fand sie in ihrem Umfeld: allen voran bei ihrem Partner, dessen Hilfe und Rückhalt sie sehr schätzt. «Dafür bin ich unendlich dankbar. Das ist für mich keineswegs selbstverständlich.»
Mehr als nur ein Geschäft
Gerade in Zeiten des wachsenden Onlinehandels ist es Jasmin Volger ein grosses Anliegen, einen Ort zu bieten, an dem Menschen persönlich einkaufen können. Hier können Kunden Produkte anfassen, Düfte wahrnehmen und sich beraten lassen. «Etwas, das der Onlinehandel in dieser Form nicht ersetzen kann», so Volger.
Sarmenstorf sei dafür der ideale Standort. Das Dorfleben werde hier noch gelebt und viele schätzen es, einen solchen Laden im Ort zu haben. «Viele Stammkundinnen und -kunden kommen regelmässig vorbei», sagt Volger und lächelt. «Das sind Begegnungen, die für mich das Herzstück meines Geschäfts sind.» Ein besonders berührendes Kompliment bleibt ihr in Erinnerung: «Im ‹Traumfänger› wirst du immer mit einem Lächeln begrüsst.» Oder auch: «Mer gspürt de Jasmin ihres Herzbluet.» Worte, die zeigen, dass ihre Haltung ankommt.
Mit Blick nach vorne
Stillstand kennt Jasmin Volger nicht. Auch in Zukunft will sie ihr Sortiment weiterentwickeln, neue Produkte aufnehmen und den Bereich Geschenkartikel stärken. In Zukunft möchte sie auch das Projekt «individuell zusammengestellte Firmen-, Mitarbeiter- und Kundengeschenke» weiter ausbauen: fixfertig verpackte Präsente, die mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt und direkt ins Unternehmen geliefert werden. Wenn sie einmal nicht im Laden steht, ist sie gerne in der Natur unterwegs und verbringt die Zeit am liebsten mit ihrem Partner und ihren Katzen. Und ein Traum begleitet sie weiterhin: ein eigener Gnadenhof für Tiere. «Ich würde am liebsten allen Tieren auf der Welt ein Zuhause schenken.»
Fünf Jahre «Traumfänger» zeigen: Träume wachsen, wenn man den Mut hat, sie zu verwirklichen.



