In Meisti und Fahrwangenführten die Frauen das Regiment

Meisterschwanden/Fahrwangen Am Donnerstag um 17.30 Uhr war es in Meisterschwanden wieder so weit – die Frauen übernahmen für drei Tage die Herrschaft. Der traditionsträchtige Anlass wurde gekonnt von den Tambourinnen eingetrommelt.

Vorstand der Meitli-Vereinigung Meisterschwanden.Foto: Verena Schmidtke

Vorstand der Meitli-Vereinigung Meisterschwanden.Foto: Verena Schmidtke

Das Eintrommeln der Meitli-Tage in Fahrwangen.Foto: Verena Schmidtke

Das Eintrommeln der Meitli-Tage in Fahrwangen.Foto: Verena Schmidtke

Über den Dorfplatz pustete ein rauer Wind, aus dem Schnee war inzwischen Regen geworden. Doch der guten Stimmung auf dem Platz konnte das ungemütliche Wetter nichts anhaben. Nach und nach trafen mehr Frauen in schwarzen Kleidern, eingepackt in wärmende Mäntel und mit festlichen Hüten, ein. Ausserdem kamen viele Interessierte, um am Anlass dabei zu sein. Bevor es losging, verteilten die Frauen der Meitli-Vereinigung wärmenden Glühwein. Schon traten die Tambourinnen in Aktion und trommelten den Meitli-Donnerstag feierlich ein.

Delphine Schmitt, Präsidentin der Meitli-Vereinigung Meisterschwanden, begrüsste die Anwesenden herzlich mit den Worten: «Ein gutes neues und gesundes Jahr mit vielen schönen Momenten und unvergesslichen Erinnerungen wie heute zur Eröffnung zu den drei schönsten Tagen im Jahr.» Aufgrund des Wetters habe sogar die Standarte der Vereinigung ein Schutzmäntelchen anbekommen, damit sie trocken blieb. «Es freut uns sehr, dass so viele Leute den offiziellen Start von den Meitli-Sonntagen mit unseren Tambourinnen eröffnen.» Eintrommeln, Generalversammlung sowie der Männerfang am Donnerstagabend gehören zu diesem wunderbaren Brauch. Ein Dankeschön erhielten die Tambourinnen, die regelmässig für ihre Auftritte an diesen besonderen Tagen probten.

90 Jahre Tambourinnen und viel Programm

Diese konnten nach der Ansprache sogleich ihr Können ein weiteres Mal präsentieren und erhielten viel Applaus. Nach dem Auftritt in Meisterschwanden machten sich die Frauen auf nach Fahrwangen, wo die Meitli-Tage ebenfalls eingetrommelt werden sollten. Hier hatten sich wie schon im Nachbarort viele gut gelaunte Leute trotz des nassen Wetters eingefunden. Während es ordentlich windete, die Standarte hin und her flatterte, ergriff Caroline Rauer-Käser, die Präsidentin der Meitli-Vereinigung Fahrwangen, das Wort. Sie freute sich über das grosse Interesse am Anlass. Zudem sagte sie: «Es ist schön, dass unsere Vereinigungen seit 90 Jahren so wertvoll von den Tambourinnen unterstützt werden.» Das war erst der Beginn eines besonderen Abends: Es folgten die GV-Sitzungen. Zuvor hatte Delphine Schmitt noch etwas Zeit für einige Fragen, immerhin geht die Tradition auf das Jahr 1712 zurück. Damals im Zweiten Villmergerkrieg unterstützten die Frauen aus dem Seetal die reformierten Berner und trugen so massgeblich zu deren Sieg bei. Als Dank dafür erhielten die Frauen drei Tage, an denen sie das Sagen haben: den Meitli-Donnerstag, den Meitli-Samstag und den Meitli-Sonntag. «Wir sind eine Vereinigung», erläuterte Delphine Schmitt, «zu unserer GV kommen meistens rund 100 Frauen.» Um dazugehören zu können, müsse «frau» Meisterschwanden als Heimatort, Wohn- oder Arbeitsort haben. Das Gleiche gelte für die Fahrwanger Meitli-Vereinigung. Schmitt weiter: «Nach der GV ziehen wir begleitet von den Tambourinnen ins Dorf ein und besuchen in mehreren Gruppen aufgeteilt die Gaststätten.» Dort offerieren die Frauen den anwesenden Männern ein Glas Wein, es werde getanzt – anschliessend kommen die berüchtigten Grasbögen zum Einsatz. «Sie werden aus Haselruten und Hanfseilen gefertigt und müssen sorgsam gepflegt werden», teilt die Präsidentin zu den Bögen mit. Mit diesen werde ein Mann eingefangen und von den Frauen in die nächste Beiz getragen, wo er sich mittels eines Umtrunks loskaufen könne.

Weiter gehe es am Samstag mit dem Kindertanz. «Am Abend steht das Maskentreiben in den Wirtschaften auf dem Programm», so die Präsidentin zum vielfältigen Brauch. «Der Abschluss ist am Sonntag nach einer Polonaise und der Verteilung des Eierzopfes.» Dann gehe das Regiment zurück an die Männer. «Denken sie jedenfalls», resümiert Delphine Schmitt lachend.

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