Die ältesten Lenzburgerinnen

Schatzkammer

Daria Moser

Daria Moser

Kette aus 64 Lignitperlen als Grabbeigabe für eine 17- bis 21-jährige Frau (Lenzburg – Goffersberg, Grab 14, Ind. 4). Foto: Museum Burghalde

Kette aus 64 Lignitperlen als Grabbeigabe für eine 17- bis 21-jährige Frau (Lenzburg – Goffersberg, Grab 14, Ind. 4). Foto: Museum Burghalde

In der aktuellen Sonderausstellung des Museums Burghalde, «Pionierinnen, Künstlerinnen, Denkerinnen», erhalten Lenzburger Frauen aus den letzten 200 Jahren eine Stimme. Doch ihre Geschichte beginnt viel früher: in der Steinzeit. Sichtbar werden die ersten Lenzburgerinnen im jungsteinzeitlichen Gräberfeld am Goffersberg, das 1959 beim Bau eines Wasserreservoirs entdeckt wurde. Von den knapp 90 ausgegrabenen Skeletten stammen 16 nachweislich von erwachsenen Frauen. Das liegt nicht daran, dass es damals weniger Frauen gab, sondern an den Schwierigkeiten, das Geschlecht anhand von Skeletten zu bestimmen.

Trotzdem verraten die Knochen einiges über das Leben dieser Frauen. Wie viele Menschen der Jungsteinzeit litten sie unter wiederkehrenden, zum Teil chronischen Infektionen. Der enge Kontakt zu Nutztieren, mangelnde Hygiene und eine einseitige Ernährung begünstigten Krankheiten. Diese Lebensbedingungen beeinflussten auch das Körperwachstum: Mit durchschnittlich 1,53 Metern waren die Frauen vom Goffersberg deutlich kleiner als heutige Frauen und sogar kleiner als ihre Vorfahren aus der Alt- und Mittelsteinzeit.

Die Lebenserwartung war tief, nicht zuletzt wegen der hohen Kindersterblichkeit. Doch auch erwachsene Frauen waren gefährdet: Über die Hälfte der Frauen, die das Erwachsenenalter erreichten, starb zwischen 20 und 30 Jahren. Vermutlich spielten Schwangerschaft und Geburt dabei eine wichtige Rolle. In der Jungsteinzeit konnten Kinder dank Tiermilch als Ersatz für Muttermilch früher abgestillt werden. Dadurch wurden die Mütter schneller wieder fruchtbar. Zwischen den Schwangerschaften blieb ihnen wenig Zeit, sich zu erholen. Zusammen mit der häufig mangelhaften Ernährung erhöhte dies das Risiko für Komplikationen.

Doch das Leben am Goffersberg bestand nicht nur aus Krankheit und frühem Tod. Viele Frauen wurden mit Schmuck aus seltenen Lignitperlen bestattet, was auf ihre Wertschätzung innerhalb der Gemeinschaft hindeutet. Verheilte und gerichtete Knochenbrüche zeigen zudem, dass verletzte Menschen versorgt wurden. Die Funde lassen so erkennen, dass die ersten Lenzburgerinnen trotz schwieriger Lebensbedingungen Teil einer Gemeinschaft waren, in der man füreinander sorgte.

Schatzkammer. Hier stellen Mitarbeitende des Museums Burghalde Lenzburg spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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