Schlafen in der Gaststube

Das Beizensterben macht auch vor Sarmenstorf nicht halt: Der Gasthof Ochsen wird umgebaut und umgenutzt. Im markanten Bau des «Ochsen» werden sechs Mietwohnungen eingerichtet.

Seitenanbau fehlt künftig: Visualisierung des Umbaus des Restaurants Ochsen in Sarmenstorf. Foto: zvg
Seitenanbau fehlt künftig: Visualisierung des Umbaus des Restaurants Ochsen in Sarmenstorf. Foto: zvg

Wo bis vor zwei Jahren gegessen, getrunken, gefeiert, angestossen und auch Schnitzelbänke angehört wurden, soll inskünftig nur noch gewohnt werden. Die dritte Generation Stalder hat die Wirtetätigkeit aufgegeben. Doch der markante «Ochsen» am Kreuzrain 2 aus dem 17. Jahrhundert darf nicht aus dem Ortsbild verschwinden. Durch seine Erscheinung und ortsbauliche Wirkung figuriert er in Sarmenstorf nämlich auf der Liste der kommunalen Kulturobjekte. «Das Gebäude soll die äussere Fassadenoberfläche beibehalten», lässt sich dem Baubeschrieb entnehmen, will heissen, das Gebäude wird begründet ausgekernt. Eingebaut werden auf den drei Geschossen je zwei kleinere Mietwohnungen, erschlossen mit Lift und einem neuen Treppenhaus. Bau- und Umnutzungsgesuch liegen noch bis am 27. Februar auf.

Die südliche Dachlukarne wird zur Loggia ausgebildet. Stefan Hegi vom Wohler Architekturbüro Hegi Koch Kolb+Partner gliedert vier Wohnungen filigrane, attraktive Balkone gegen Süden an. Im Sockelgeschoss lassen sich gewerbliche Räume oder gar wieder eine Bar denken.

Kegelbahn und Saal fallen weg

Der Strukturwandel im Gastgewerbe hat längst auch Sarmenstorf erreicht. Von den ursprünglich fünf Gasthäusern verbleiben ausser dem Café Ruckli die Restaurants Adler, Kreuz und Post. Die Aufgabe der Wirtetätigkeiten im «Wilden Mann» und im «Ochsen» bedeutet für das Dorf ein Verlust. «Vor allem bedaure ich, dass die ‹Ochsen›-Bar, der beliebte dörfliche Treffpunkt, nicht mehr besucht werden kann», findet Gemeinderat Matthias Baur. Und er steht mit seiner Meinung nicht alleine da.

Im Laufe des Jahres 2017 wird von der Bauherrschaft, der Renova Real Estate GmbH, Villmergen, ein weiteres Baugesuch eingereicht. Die hangseitige Scheune wird abgebrochen und macht Wohnbauten mit eigenständiger Volumengestaltung Platz. Durch den Abbruch der Kegelbahn und des Saales öffnet sich die Möglichkeit, einen Vorgarten und einen Vorplatz zu gestalten. Die Architekten reden in ihrer Fachsprache von einer Kommunikationszone. Es kommt zum Wandel im Ortskern: Vielleicht wird einst nur noch das Wirtshausschild an den «Ochsen» mit seiner Bar erinnern.

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