Salzkorn: Kleine Geheimnisse

Fritz Thut
Fritz Thut

Ein bisschen Stress darf schon sein. Ganz fest aufs Gas drücken. Die Arbeit, die wegen der Herbstferien und des damit ausgedünnten Gesellschaftskalenders eh etwas kleiner ausfällt als üblich, schneller erledigen als sonst. An ein paar Tagen in den letzten Wochen verlasse ich das Büro rund eine Stunde früher als sonst.

Niemand hier kennt den Grund. Ist ja nicht wichtig. Ist profan. Ich schaue, dass ich rechtzeitig daheim vor der Flimmerkiste sitze. Etliche Direktübertragungen der WM-Spiele begannen auf RAI am frühen Abend. Weltmeisterschaft? Fussball? Gott bewahre. Wenn die dafür qualifizierten Tschütteler dann in der Adventszeit am Persischen Golf dem Ball nachjagen, bleibt meine Scheibe meistens matt.

Alte Liebe rostet nicht. «Meine» Weltmeisterschaft fand in Holland statt und im Einsatz standen die besten Volleyballerinnen des Planeten. Volleyball ist nach Fussball die verbreitetste Sportart der Welt. Rund 800 Millionen Menschen spielen mindestens einmal wöchentlich Volleyball. Ich, altershalber, allerdings nicht mehr. Der internationale Dachverband der Volleyballer zählt mehr nationale Verbände (222) als der Fussballverband Fifa (211).

Die Liebe beschränkt sich nicht aufs faszinierende Spiel. Um mit Herzblut das Geschehen zu verfolgen, unterstütze ich fernmental die italienische Mannschaft. Die spezielle Affinität zum südlichen Nachbarland hat sich natürlich auf die entsprechenden Auswahlteams übertragen. Das ging auch meistens gut. «Le ragazze», wie die Frauen von den italienischen Medien liebevoll genannt werden, gewannen alle Spiele – ausser gegen Brasilien. Am Schluss gabs immerhin die Bronzemedaille.

So, nun habe ich ein kleines Geheimnis weniger. Dies ist nicht so dramatisch, weil es noch weitere gibt. Für den eigenen Seelenfrieden ist es lohnend, wenn man nicht alle Präferenzen an die grosse Glocke hängt.

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