«Dem Ried geht es gut – solange wir Sorge tragen»

Seengen Der Hitzesommer setzte den Moorlandschaften zu. Wie das Boniswiler-Seenger Ried die Trockenheit überstanden hat und weshalb solche Biotope für das Klima unverzichtbar sind, erklärt Pro-Natura-Geschäftsführer Matthias Betsche.

Matthias Betsche vor einem der wichtigsten Feuchtbiotope der Schweiz: Dem Boniswiler-Seenger Ried. Foto: Rinaldo Feusi
Matthias Betsche vor einem der wichtigsten Feuchtbiotope der Schweiz: Dem Boniswiler-Seenger Ried. Foto: Rinaldo Feusi

Der Hitzesommer ist vorüber. Die Landschaften erholen sich langsam, doch es bleiben Spuren. Nicht nur Fussballplätze und Äcker litten unter der Trockenheit. Die Feuchtbiotope waren aufgrund des Wasserhaushalts für viele Arten während des Sommers ein Rückzugsort. Eines der wichtigsten Feuchtgebiete des Kantons und von nationaler Bedeutung ist das Boniswiler-Seenger Ried. Dank der Zuflüsse blieben Wasserstand und Wassertemperatur hier trotz der Hitze weitgehend stabil. «Dem Ried geht es gut – solange wir Sorge tragen», sagt Pro-Natura-Geschäftsführer Matthias Betsche. Besonders wertvoll sind der Wasserhaushalt und das Erdreich. Torf wirkt wie ein Schwamm. «Wenn es regnet, wird hier viel Wasser gespeichert. Solche Feuchtgebiete sind nicht nur wertvolle Lebensräume. Sie speichern Wasser und helfen damit auch, die Folgen von Trockenheit und Hitze abzufedern», so Betsche.

Heimat vieler Arten und unersetzbarer CO2-Speicher

Das etwa 44 Hektar grosse Schutzgebiet ist für seltene oder bedrohte Arten ein wichtiger Lebensraum. Ornithologen können Schwarzmilane, Eisvögel oder Pirole beobachten. Amphibienbeobachter kommen bei den zahlreichen Kröten und Fröschen auf ihre Kosten. Ebenso lebt das äusserst seltene Grosse Wiesenvögelchen hier. Doch nicht nur für die Biodiversität sind Moorlandschaften wichtig. Diese gehören zu den bedeutendsten natürlichen Kohlenstoffspeichern. Betsche erklärt: «Moore bedecken nur rund 3 Prozent der weltweiten Landfläche. Dennoch speichern sie etwa ein Drittel des global gebundenen Bodenkohlenstoffs – doppelt so viel wie alle Wälder zusammen.» Für ihn ein Grund, Sorge zu tragen.

Im Aargau auf gutem Weg

Vielen Leuten sei nicht bewusst, wie relevant solche Gebiete für die unmittelbare Flora und Fauna seien. «Es ist herausfordernd, sich für diese Biotope einzusetzen. Aber es lohnt sich», erklärt er. Im Mittelland sei jeder Quadratmeter Land Gold wert, weswegen Interessenabwägungen anspruchsvoll seien. Nicht nur beim Schutz bestehender Moorlandschaften sieht Betsche Fortschritte. Auch die Schaffung neuer Riedlandschaften stimmt ihn zuversichtlich. Er nennt als Begründung den Auenschutzpark. Dieser besteht aus mehreren Teilgebieten entlang der Flüsse des Kantons. Als Grossrat begrüsst Betsche zudem den Gegenvorschlag zur Gewässerinitiative. Bis zum Jahr 2060 sollen im Kanton Aargau insgesamt 1000 Hektaren Feuchtgebiete neu geschaffen oder wieder vernässt werden.

 

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