Farbenfroh: Der Schlössertag auf Schloss Hallwyl

Seengen Zum 10. Mal fand schweizweit der Schlössertag statt – in diesem Jahr zum Thema «Handwerk». Auf Schloss Hallwyl hatten grosse und kleine Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, verschiedene Möglichkeiten des Färbens kennenzulernen.

Nadine Gottschalg und Stefan Fankhauser zeigten, wie Stoffe gefärbt wurden.Foto: VSc

Nadine Gottschalg und Stefan Fankhauser zeigten, wie Stoffe gefärbt wurden.Foto: VSc

Pflanzliche Färbemittel und eine Farbpalette.Foto: Verena Schmidtke

Pflanzliche Färbemittel und eine Farbpalette.Foto: Verena Schmidtke

Restauratorin Anita Filli erklärt einiges zu Farben in der Farbküche.Foto: Verena Schmidtke

Restauratorin Anita Filli erklärt einiges zu Farben in der Farbküche.Foto: Verena Schmidtke

Um den Kessel mit der dampfenden blauen Flüssigkeit fanden sich mehr und mehr Interessierte zusammen – Stefan Fankhauser von der «Schoenfaerberey» präsentierte ein frisch gefärbtes Tuch, welches inzwischen dank Färberwaid einen satten blauen Farbton angenommen hatte. Fasziniert hörten ihm die Umstehenden zu, wie er über die speziellen Eigenschaften von Leinen und Wolle berichtete – und dass Wolle kaum jemals gewaschen werden müsse. Er selbst trug eine mittelalterliche Gewandung aus Leinen und Wolle.

Über das rege Interesse am Schlössertag freute sich ebenfalls Dorothee Rempfer, stellvertretende Leiterin der Geschichtsvermittlung des Museums Aargau: «Der Schlössertag mit den wechselnden Themen ist immer wieder spannend und ermöglicht uns, ein besonderes Angebot zu zeigen.» Zusammen mit Restauratorin Ina Link führte sie durch das Museum. Hier standen passend zum Thema Farben und Malereien im Vordergrund. Dabei erfuhren die Museumsbesuchenden beispielsweise, dass die Räume in früheren Jahrhunderten durchaus farbenprächtig waren. In einem Raum mit Holzvertäfelung referierte Link: «Auch diese Vertäfelung war früher bemalt, in einem Blauton, wie Untersuchungen ergeben haben.»

Alte Techniken und neue Einblicke

Im Rittersaal berichtete sie zudem von ihrer ganz speziellen Beziehung zu den Deckenbalken des Raumes – deren Bemalung legte sie zumindest teilweise mittels Lasertechnik gemeinsam mit Arbeitskollegen frei. Hier waren Feingefühl, Erfahrung und ganz besonders Geduld gefragt. «Der Laser kann zwischen Schmutz und Farbe unterscheiden», führte die Restauratorin aus, «allerdings bestand die Farbe hier aus Russ.» Dadurch sei die Arbeit um einiges aufwendiger gewesen als gedacht. «Dabei war es wichtig, dass wir viel Erfahrung mit der Formensprache der Zeit hatten», merkte sie an. Spannende Eindrücke wie diese gab es noch einige auf dem Rundgang durch das Schloss, und die Anwesenden kamen mitunter aus dem Staunen nicht heraus. Zum Abschluss gab es für die beiden Referentinnen viel Anerkennung.

Im Schlosshof konnten Kinder und Erwachsene sich selbst ausprobieren: In der Farbküche der Restauratorinnen Ina Link und Anita Filli gab es dazu die Möglichkeit. Link dazu: «Das sind alte Rezepturen, die beispielsweise Quark und Eier beinhalten. Gerade Kinder finden es aufregend, auf so einfache Weise haltbare Farben herzustellen.» Sie selbst sei nicht nur Restauratorin, sondern Malermeisterin und Kirchenmalermeisterin sowie Vermittlerin.

Ebenso begeisterten Stefan Fankhauser und Nadine Gottschalg von der «Schoenfaerberey» mit ihren Kenntnissen über ihr Handwerk die Zuschauenden. Im Gespräch verriet Fankhauser, dass er sich schon immer sehr für Textilien interessiert habe. «Schon als Kind fand ich stricken cool», berichtete der hauptberufliche Medizintechniker lachend. Das führte schliesslich dazu, dass er sich mehr mit dem alten Handwerk der Färberei befasste, hilfreich seien da alte Bildquellen, Zollbücher gewesen. Als Vermittler möchte er das Handwerk näherbringen: «Es ist zudem ein Weg, den Leuten die Wertigkeit von Farben und Textilien näherzubringen.» Zum Thema Kleidung sagte er, die Kombination aus Leinen und Wolle sei bis zur frühen Neuzeit üblich gewesen. «Natürlich mit Variationen in Formen und Schnitten.» Vorteil des Leinens sei, dass es antibakteriell und schmutzabweisend sei – also ideal als Untergewand. «Wolle hingegen reinigt sich selbst, da braucht es eigentlich nur eine gute Kleiderbürste», merkt er an.

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